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Das Malzeichen des Tieres – Hat sich unsere Botschaft geändert?

Aktualisiert: 9. Aug. 2021

Interview mit Mark Finley, Adventist Review, Juni 2018




Seit fast 170 Jahren nehmen Adventisten die Zeitschrift Adventist Review zur Hand, um Gottes Wort besser zu verstehen, um ihre Welt durch eine biblische Linse zu betrachten und um die Stimme Jesu zu hören, der seine Endzeitgemeinde aufruft, eine tiefere Beziehung zu ihm einzugehen. 

In diesem Monat geht es um neue Einsichten eines erfahrenen Evangelisten und Leiters der Gemeinde zu einem oft missverstandenen Aspekt der biblischen Prophetie. Der Herausgeber, Bill Knott, setzte sich kürzlich mit Pastor Mark Finley zusammen, um Fragen zu adventistischen Ansichten über das “Malzeichen des Tieres” zu stellen, die in der Offenbarung beschrieben werden. 


Frage von Bill Knott (BK): Du predigst schon fast 50 Jahre lang über ein schwieriges Thema, das Adventisten unter dem Begriff “das Malzeichen des Tieres” kennen. Wenn du einmal zusammenfasst, was du erlebt hast, wenn du über dieses biblische Thema gesprochen hast, was hat sich dann daran geändert, wie du darüber sprichst? Und gibt es wesentliche Punkte, die du heute stärker betonst?

Mark Finley (MF): Ich denke, mein Verständnis vom Thema hat sich über die Jahre vertieft. Anfangs war ich direkt und habe die Tiermacht aus Offenbarung 13 eindeutig mit dem Römisch-Katholischen Papsttum identifiziert. In meinen frühen Evangelisationen war dies vermutlich mein Hauptfokus zum Thema. Wenn ich auch das prophetische Verständnis, das wir als bibelgläubige Christen haben, in keiner Weise herabsetzen will, so habe ich heute ein viel breiteres Verständnis von dem Thema.


BK: Worauf bezieht sich das breitere Verständnis?

MF: Das Malzeichen des Tieres in der biblischen Prophetie hat seine Bedeutung im größeren Kontext eines kosmischen Kampfes im Universum zwischen Gut und Böse und einem Kampf in der Frage der Anbetung. Das überspannende Thema der Offenbarung ist der Sieg Christi über die Fürsten und Mächte der Hölle mit einem zentralen Fokus auf der Anbetung des Schöpfers. Offenbarung 4,11 macht die klare Aussage: “Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen.” In der gesamten Offenbarung sind Anbetung und Schöpfung unauflöslich miteinander verbunden. Offenbarung 14,7 ruft dazu auf, den Herrn der Schöpfung anzubeten. Sobald der Blick auf Schöpfung und Anbetung gerichtet wird, dringt der Betrachter ins Zentrum, in den wesentlichen Teil dieses Kampfes zwischen Gut und Böse vor. Der Blick richtet sich auf den Gott der Schöpfung und nicht auf Luzifer, der sich die Autorität Christi als Schöpfer aneignen wollte.


Jesus Christus war als ein ewiges Glied der Gottheit bei der Schöpfung derjenige, der aktiv tätig war. (Eph. 3,9) Bei der Frage der Anbetung, um die es in der Offenbarung geht, dreht sich alles um Jesus und seine schöpferische Autorität und Macht. Der Gedanke an Christus als Schöpfer liegt der Sabbatanbetung zugrunde. Jesus betont nicht nur die Bedeutung dieses Tages, sondern auch, dass er “der Herr” dieses Tages ist. So sehen wir den Sabbat im Kontext einer auf die Zeit bezogenen Zuflucht, die Gott durch Jesus Christus geschaffen hat, um uns ständig an unseren Ursprung und seine nicht endende Fürsorge zu erinnern. Er ist eine Oase in der Wüste dieser Welt. Vor der Kulisse einer evolutionären Hypothese, die die Welt in den letzten beiden Jahrhunderten im Sturm erobert hat, führt der Sabbat uns zu unseren Wurzeln. Der Sabbat ist ein ewiges Mahnmal unserer Identität. Er erinnert uns daran, wer wir als Menschen sind. Er verleiht einem jeden Wert und bestärkt uns ständig in dem Gedanken, dass wir Geschöpfe sind und unser Schöpfer unserer Treue und Anbetung wert ist.


BK: Du hast soeben eine bemerkenswerte Verbindung zwischen einigen großen Bibelwahrheiten aufgezeigt—dem kosmischen Konflikt, der Anbetung, der Rolle Jesu als Schöpfer und der anhaltenden Bedeutung des Sabbats. Haben diese alle mit dem Verständnis vom Malzeichen des Tieres zu tun?

MF: Wenn du die Fragen rund um das Malzeichen des Tieres völlig verstehst, dann verstehst du, dass es um etwas viel Größeres geht als nur ums Identifizieren der Tiermacht. Du schaust auf diesen Kampf zwischen Gut und Böse. Du siehst den Kampf zwischen Christus und Satan wegen der Frage der Schöpfung. Du betrachtest den Wert und die Würde des Menschen. Wenn wir nur Menschen sind, die sich entwickelt haben, wenn wir mit Haut bedeckte Knochen sind, wenn wir lediglich ein gut angelegtes Amöbenmolekül sind, wenn wir nichts weiter als ein genetischer Zufall sind, dann hat ein Menschenleben wenig Wert. So spricht der Sabbat über die Schöpfung. Er spricht über meinen Wert in Gottes Augen.


Dies ist ein Verständnis, das mit Generation Y [Millenials, Generation geboren zwischen 1980 und 2000] und Generation X [Generation geboren in den Jahren zwischen 1960 und 1970] harmoniert. Wenn ich verstehe, dass Gott mich geschaffen und gestaltet hat, hat er auch die Umwelt dieses Planeten geschaffen. Der Sabbat ruft mich auf, mich um meinen Leib zu kümmern, denn wenn ich den Schöpfer anbete, will ich alles respektieren, was er geschaffen hat. Auch veranlasst er mich dazu, auf meine Umwelt zu achten, für die wir gute Haushalter sein sollen. Der Sabbat, der laut Bibel älter ist als alle unsere Aufteilungen in Rassen und Völker, ist auch ein Symbol für unsere gemeinsame Herkunft. Zu einer Zeit von Streit zwischen Stämmen und Nationen ruft uns der Sabbat auf, zu erkennen, dass wir das Menschsein miteinander teilen. 


Du hast gefragt, wie sich meine Predigt verändert hat. Wenn ich über das Malzeichen des Tieres spreche, lasse ich keinen Zweifel daran, wer das Tier ist. Aber ich äußere mich auch klar zu den größeren Fragen im Kampf zwischen Gut und Böse, wo der Teufel die höchst kreative Autorität Gottes angreift, die Menschheit vernichten will und versucht, unseren Konsens darüber, wer wir in Christus sind, zu zerstören. Der Sabbat ist diese Zuflucht. Ich predige den Sabbat als ein Symbol, nicht für Legalismus oder Werke, sondern für Glauben: jeden Sabbat ruhen wir in Christus. Wir ruhen in seiner Liebe und wir ruhen in seiner Fürsorge. Und wenn eine Bedeutung des Wortes Antichrist  “ein anderer Christus”, ein Ersatz-Christus, ist, dann setzen menschliche Werke durch die antichristliche Macht etwas anderes an die Stelle des von Gott eingesetzten Sabbats.


BK: Du bringst den Sabbat mit dem Verständnis von der Gerechtigkeit aus Glauben in Verbindung.

MF: Hier meine Behauptung: Der Sabbat ist das Symbol der Gerechtigkeit aus Glauben und der Sonntag ist das Symbol der Gerechtigkeit aus Werken. Wieso? Weil ich am Sabbat in Christus ruhe, der am Kreuz von Golgatha für mich starb. Ich anerkenne meine absolute Unfähigkeit, mich selbst zu erlösen und die absolute Genugsamkeit der Gnade Christi. Jeden Sabbat sage ich: “Jesus, du hast mich gemacht. Du hast mich geschaffen. Du bist für mich gestorben. Ich ruhe in deiner Liebe und Fürsorge.”

Warum ist der Sonntag – die Erfindung der Tiermacht – ein Symbol der Gerechtigkeit aus Werken? Weil es, wenn in der Zeit des Kompromisses zwischen Kirche und Staat durch religiös-politische Führer der Sabbat verändert wurde, dann den Sonntag anzunehmen, bedeutet, ein menschliches Werk gegen ein göttliches Gebot anzunehmen. Und wenn ich ein göttliches Gebot durch ein menschliches Werk ersetze, ist es so, als würde ich wieder das Opfer bringen, das Kain gebracht hat. Kain brachte etwas, was er aus eigenem Ermessen für das gebotene Opfer hielt. Darum kann man das Malzeichen des Tieres nicht abseits vom Zusammenhang der größeren Perspektive des Konflikts zwischen Gut und Böse darstellen und erklären.


Der Sabbat ist vor allem ein Ruf zur Identität in Christus, ein Ruf zu unseren Wurzeln in der Schöpfung, eine auf  die Zeit bezogene Zuflucht. Ich sehe ihn als Ruf, unseren Körper und die Umwelt zu achten. Ich sehe ihn als Zeit der Ruhe in Jesus von unseren Werken zur Annahme seines Werkes am Kreuz. Und ich sehe ihn als Ausblick auf den neuen Himmel und die neue Erde, die er neu schaffen wird, wie er sie im Anfang erschuf.

Und da ist noch ein ganz persönlicher Aspekt. Wenn Gott den Sabbat schaffen kann—wenn Gott die Welt erschaffen kann, und der Sabbat ist ein Gedenktag der Schöpfung—dann kann er mein Herz neu schaffen. So ist der Sabbat ein Symbol dafür, was seine heiligende Macht tun kann, um mich zu verändern! Denn denen, die sich in Gebundenheit und Ketten der Sünde abmühen, hilft kein Humanismus, sondern das Evangelium. Und der Kernpunkt des Sabbats ist das Evangelium.


BK: Erklärt man das Malzeichen des Tieres einfach schnell als das historische Phänomen des Römisch-Katholischen Papsttums, das sich in der Sonntagsanbetung zeigt, so reicht das gewissermaßen nicht weit genug, um die größeren Fragen zu verstehen? 

MF: Es ist sicher nicht falsch, aber es ist begrenzt. Wenn ich nur predige, dass die Tiermacht das Papsttum ist, bleibt die Frage: Inwiefern? Inwiefern ist die Tiermacht das Papsttum? Und der Grund dafür ist, dass ein menschlich religiöses System seine Autorität gegen die Autorität Christi ausgetauscht hat. Ein menschlich religiöses System hat das Herzstück der Gebote Gottes verändert. Mit der Veränderung dieses Gebots wird eins der kostbarsten Geschenke vernichtet, die Gott je den Menschen gab – die Sabbatruhe.


BK: Siebenten-Tags-Adventisten sehen, wie andere Christen auch, die Versöhnung Christi als den zentralen Fokus unseres Glaubens. Sagst du da gerade, das Malzeichen des Tieres mit seinem ersetzten Anbetungstag bietet eine andere Art der Versöhnung an?

MF: Ja. Und lass mich das noch etwas weiter entwickeln. Ich bin katholisch aufgewachsen, in den ersten acht Jahren meines Lebens haben mich Priester und Nonnen erzogen. Ich habe große Wertschätzung für einen jeden mit diesem Hintergrund, für ihre Aufrichtigkeit und Echtheit. Als ich dann anfing, diese Prophezeiungen zu verstehen, war mir klar, dass es in jener Tradition ein breites Abweichen vom Verständnis wesentlicher Inhalte des Evangeliums, von der biblischen Wahrheit und von den Themen der Anbetung gegeben hatte. Im Römisch-Katholischen Papsttum, so sehr es sich auch von den vielen gläubigen, ernsten Gliedern dieses Glaubens unterscheidet, sehen wir ein menschlich religiöses System, das vom schlichten Evangelium, von der Klarheit der biblischen Wahrheit und vom wesentlichen Aspekt der Anbetung, dem Sabbat, abgewichen ist. Das äußerliche Drum und Dran der Religion – Weihrauch, Kerzen und Statuen – hat das Wesentliche an der Religion ersetzt.


Adventisten haben ein einzigartiges Verständnis vom himmlischen Heiligtum. Wir glauben, dass Jesu Opfer am Kreuz ein volles, vollständiges Opfer war. Die Versöhnung, die er am Kreuz erwirkte, wird jedoch durch seine Fürbitte im himmlischen Heiligtum auf den Einzelnen angewandt. Wir brauchen ein Opfer – Jesus. Wir brauchen einen Priester – Jesus. Irdische Priester können nie den himmlischen Priester ersetzen. Das irdische Messopfer kann nie für die durch Christus erwirkte Versöhnung ein Ersatz sein. Im Glauben sehen wir das himmlische Heiligtum, wo Jesus dient. Unser Auge richtet sich nicht auf ein irdisches Heiligtum mit seinem Weihrauch, seinen Kerzen, seinen Priestern und seinem Messopfer, weil wir auf den Himmel ausgerichtet sind. Dies alles ist der wichtige Hintergrund zum Verständnis von Offenbarung 13. Wenn du dies nicht richtig im Blick hast und nur ans  historische Identifizieren der Tiermacht denkst, verpasst du das Westliche von dem, was Gott dir sagen will.


Und es wird noch persönlicher: immer wenn mein menschliches Ego und mein menschlicher Stolz mein Verhalten bestimmen, ist die Tiermacht in mir.


BK: Dann stimmst du nicht mit denen überein, die das adventistische Verständnis vom Malzeichen des Tieres einfach als einen Ausdruck des amerikanischen Anti-Katholitismus im neunzehnten Jahrhundert kritisieren?

MF: Ja: sie liegen total daneben. Geht aus Offenbarung 13 klar hervor, dass die päpstlichen Mächte gemeint sind? Sicher.  Und es ist eine genaue Parallele zu Daniel 7.

Martin Luther identifiziert mit den anderen großen protestantischen Reformern die Tiermacht und die antichristliche Macht als das Römische Papsttum. Und du kannst noch weiter zurückgehen als bis dahin, um in der gesamten christlichen Geschichte mutige Stimmen zu finden, die dieselbe Identifizierung gemacht haben. Dies ist keine theologische Innovation aus dem neunzehnten Jahrhundert, die Siebenten-Tags-Adventisten vorgenommen haben. Dies ist die historische Wahrheitskette, die in der protestantischen Reformation gelehrt und verkündet wurde.


BK: Du sagst also: Dass wir unsere historische Identifizierung des Malzeichens des Tieres beibehalten, ist ein Ausdruck davon, dass wir wahrhaft Protestanten geblieben sind?

MF: Ja. Und wenn du zum Beispiel den Vergleich zwischen Daniel und Offenbarung anschaust, siehst du in Daniel 7 und Offenbarung 13 die großen Parallelen. Adventisten sind auf solidem biblischen Boden, wenn sie die Tiermacht als das Papsttum identifizieren und sie stehen auf demselben Boden wie viele protestantische Reformer. Wenn wir beschreiben, wie die Tiermacht aus dem Römischen Reich hervorging, dass sie zu einer weltweiten religiösen Macht wurde, die Gottes Kinder über lange Zeiten – das Mittelalter – durch die Vereinigung von Kirche und Staat verfolgte, dass sie nach Offenbarung12,6 und den folgenden Versen 42 Monate bzw. 1260 Jahre regierte, unterstreichen wir, was die Bibel unterstreicht.


Wenn du diese biblischen Markierungen, diese Indentifikationen betrachtest, kannst du klar erkennen, welche Macht diese Dinge tat. Ist Prophetie wirklich so geheimnisvoll? Ist sie so trügerisch, dass du ihre zentralen Charakterzüge nicht zuordnen kannst? Ich habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass Offenbarung 13 vom Römisch-Katlholischen Papsttum spricht und dass das kleine Horn in Daniel 7 dieselbe Macht ist. 


BK: Manch einer sagt vielleicht: “Das stimmt sicher alles. Aber ist das heute noch wichtig?”

MF: Die Frage ist: “Warum gibt Gott uns diese klaren identifizierenden Zeichen?” Was bedeuten sie? Will er nur aufzeigen, welche Macht die Verfolgungsmacht ist? Ganz und gar nicht. Er will auf die größeren Fragen im Kampf zwischen Gut und Böse aufmerksam machen. Er will uns zur wahren Anbetung zurückführen.


Interessant ist, dass Ellen White die Antithese oder das Gegenteil vom Malzeichen des Tieres als das Siegel Gottes definiert. Und sie definiert das Siegel Gottes als “ein Einnisten in die Wahrheit, sowohl intellektuell als auch spirituell, so dass man nicht hin- und herschwankt”.(1) Der Sabbat als Gottes erkennbarer Tag der Anbetung wird zum sichtbaren Symbol dieses Siegels. Epheser 4,30 sagt: “Und betrübt nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung.” Der Heilige Geist wird zur versiegelnden Kraft, die uns in eine Hingabe an Christus und eine Hingabe an seine Wahrheit bringt, so dass wir nicht schwanken können. Wir wagen es nicht, in eine Akzeptanz menschlicher Lehren oder Theorien abzugleiten, die Gottes Wort ersetzen soll. Sabbat und Sonntag werden die sichtbaren Weichen eines sich steigernden Kampfes zwischen Gut und Böse zur letzten Zeit sein.


Neuartige Vorstellungen über das Malzeichen des Tieres


BK: Man kann im Internet Dutzende – vielleicht Hunderte – von Theorien über das Malzeichen des Tieres finden. In den vielen Jahren deiner öffentlichen Evangelisationen hast du sicher von einigen der eher exotischen Ideen gehört. An welche erinnerst du dich, die besonders ungewöhnlich waren?

MF: Nun, zum Beispiel dass Adolf Hitlers Regime als das Malzeichen des Tieres bezeichnet wurde.

BK: Wirklich?

MF: Ja, einige haben das gesagt. Andere haben die Namen von U.S. Präsidenten genommen und sind bei neuartigen Formulierungen gelandet. Doch eine der lustigsten kam in Russland auf, als ich Anfang der 1990er Jahre im Olympia Stadium predigte. Als ich aufstand, um zu predigen, kamen Frauen aus dem Saal herauf – wir hatten nämlich etwa 1000 oder 1500 Personen getauft – um mir Blumen zu bringen. Als ich herunterreichte, um die Blumen entgegenzunehmen, lief eine Frau den Gang hinunter und riss mir das Mikrofon aus der Hand. Dann sagte sie: “Dieser Mann ist das Malzeichen des Tieres! Dieser Mann ist der Antichrist! Greift ihn an!” Ungefähr 20 junge Leute stürzten auf die Bühne. Diese Frau war zu der Zeit die führende Kultfigur in Russland und aus irgendeinem Grund sah sie in mir den Antichristen.

Diese jungen Leute rannten auf mich zu, um mich zu attackieren. Zum Glück hatte ich mehrere KGB Offiziere und russische Soldaten getauft und sie hatten ihre Geschicklichkeiten nicht vergessen. Sie kümmerten sich um die Störung und bekamen sie in den Griff. Dasselbe wiederholte sich an 14 Abenden nacheinander!


BK: Du hast vermutlich gehört, dass die Vorstellung vorhanden ist, das Malzeichen des Tieres sei ein sichtbares Zeichen oder ein winziger Chip, der injiziert werden kann.

MF: Ja, und natürlich habe ich auch von nationalen ID-Karten gehört.


BK: Was sagst du denen, die sicher sind, dass Dinge, die sie woanders gehört haben, richtig sind, und was sagst du denen, die nach etwas suchen, was sie sehen und spüren können?

MF: Ich sage ihnen: “Ich weiß nicht, wie das Malzeichen des Tieres durchgesetzt werden wird. Es kann durchaus verschiedene Wege geben. Die Bibel sagt darüber nichts aus.” Und dann sage ich ihnen: “Habt ihr beachtet, was der Text aussagt, dass nämlich das Malzeichen des Tieres an die Stirn oder an die Hand gegeben wird, das Siegel Gottes aber nur an die Stirn? Meint ihr, wir werden ein Tattoo an unserer Stirn haben, auf dem ‘Siegel Gottes’ steht?” Alle sagen: “Nein, das glaube ich nicht.” Dann frage ich: “Warum ist das Malzeichen des Tieres an der Stirn oder an der Hand? Der Grund ist folgender. Dem Teufel ist es egal, ob er dich intellektuell überzeugt, dem Tier zu folgen, oder ob er dich zwingt, dem Tier mit dem Symbol an der Hand zu folgen. Gott aber wendet nie Zwang an. Er lässt uns immer die freie Entscheidung.”

BK: Demnach geht es hier auch um den freien Willen – Gottes Geschenk der Entscheidung.

MF: Genau! Gott lässt uns frei entscheiden. Ich weiß nicht, wie der Teufel das Malzeichen des Tieres durchsetzen wird. Vielleicht spielt eine Identitätskarte eine Rolle; wir wissen es nicht. Die große Frage ist, was sich in deinem Denken abspielt. Es geht um den Kampf zwischen Gut und Böse. Wir sollten nicht zu Dingen Stellung nehmen, zu denen wir keine Erkenntnis haben und um die es nicht in erster Linie geht. Ich verlagere das Gespräch auf Vorgänge im Denken des Hörers und fordere ihn auf, so stark in Christus zu sein, dass niemand ihn zwingen kann. Wenn es um Teenager geht, spreche ich mit ihnen über Gruppendruck, darüber, wie leicht sie unter den Druck von Freunden kommen, Drogen zu nehmen oder in die Alkohol-Szene abzurutschen. Und ich erinnere sie daran, dass am Ende diejenigen das Malzeichen des Tieres erhalten, die mit ihren Entscheidungen, die sie getroffen haben, Gefahr für ihre Rechtschaffenheit über sich gebracht haben.


BK: Zwang kann aus anderen Richtungen als nur von einer Regierung kommen?

MF: Absolut. Wenn du deine Rechtschaffenheit auf einer Party aufs Spiel setzt oder dich in eine unerlaubte Beziehung mit deiner Freundin oder deinem Freund außerhalb der Ehe gedrängt fühlst, was wirst du dann tun, wenn das Malzeichen des Tieres kommt und wenn es sagt, du kannst weder kaufen noch verkaufen? Hier geht es um eine grundsätzliche Herzenshaltung. Beim Malzeichen des Tieres geht es im Grunde um die Frage, wem ich vertraue. Habe ich Jesus mein Leben vollständig und in absolutem Vertrauen zu ihm übergeben?


BK: Ich höre dich sagen, dass uns simple Auslegungen darüber, was das Malzeichen des Tieres ist und wie es dazu kommen wird, nicht immer gut tun. Du rufst dazu auf, an den biblischen Markern festzuhalten und zu betonen, dass jeder in seinen Entscheidungen frei ist.

MF: Lass es mich ganz klar sagen. Nachdem ich nun seit 50 Jahren diese biblische Wahrheit studiere und predige, habe ich keinerlei Zweifel an der prophetischen Auslegung, wie STA sie verstehen. Ich glaube sie und predige sie. Aber nur Daten und Identifizierungen zu predigen, ändert Menschen nicht in ihrem Inneren. Es kann den Intellekt oder ihr Denken irgendwie verändern. Aber mir geht es darum, was alledem zugrunde liegt und was es bedeutet, dass Menschen sich zu einer Herzensveränderung bewegen lassen.


“Nur Jesus” predigen – ist das die volle Botschaft?